Quirlige Gäste in Bürstädter Gewächshaus

Sechste Klasse der Erich-Kästner-Schule Bürstadt besucht im Rahmen des Biologie-Unterrichts die Gärtnerei Molcz. ( von Vanessa Dörfler, BÜZ)

So also funktioniert das Ein- und Umtopfen, so also kommt das Saatgut in die Erde. So wird geerntet und so wird eine Pflanze auf Schädlinge untersucht – am Dienstagmorgen lernten Sechstklässler der Erich-Kästner-Schule (EKS), was es heißt, mit Pflanzen umzugehen. Sie waren gemeinsam mit ihrer Biologielehrerin Theresa Palz in die Gärtnersiedlung zu Heidi Molcz und ihren Mitarbeitern gekommen. Zwischen Pflanztischen und Säcken mit Erde durften sie machen, was Gärtner eben so machen: pflanzen. „Da ist mal Leben in der Bude, unsere Pflanzen machen nicht so einen Rabatz!“, sagt Heidi Molcz und lacht. Sie leitet den Familienbetrieb, gemeinsam mit Gärtnermeister Thomas Brunnengräber betreut sie die Schüler an diesem Morgen und zeigt ihnen, wie die Bewässerung der Gewächshäuser funktioniert und blickt ihnen über die Schulter, wenn sie sich um die Pflanztöpfe scharen. Es ist eng im Pflanzraum. Die quirligen Realschüler haben ihre Winterjacken an, meist die Rucksäcke noch auf dem Rücken.

In der Hand halten sie eine Papiertüte, was ist drin? Jeder durfte sich ein Hornveilchen aussuchen. Das ist scheinbar so wichtig, dass es keiner mehr irgendwo abstellen mag. Die Stimmung ist locker, die Kinder haben ihren Spaß. Max albert, Anna und Angelika betrachten sich die bunten Primeln. „Zuerst wurde uns die Topfpresse und dann die Topfmaschine erklärt“, sagt Theresa Palz. Sie ist seit drei Jahren an der EKS, unterrichtet dort Biologie und Deutsch. Von ihrer Kollegin Karina Röhrborn wurde sie auf die Gärtnerei Molcz aufmerksam gemacht. Röhrborn war im vergangenen Sommer mit ihrer Klasse bereits hier gewesen, war begeistert. „Im Biologie-Unterricht haben wir gerade nach dem Thema ‚Tiere im Winter‘ über die Entwicklung von Blütenpflanzen gesprochen“, erklärt Palz. Deswegen hat sie sich bei Regen bereits um 8 Uhr morgens mit ihrer Bio-Klasse 6Rb auf den Weg in die Gärtnersiedlung gemacht. Lehrerin Theresa Palz kommt schon am nächsten Donnerstag mit einer anderen Klasse wieder. Dann steht sie mit der 6Ra erneut zwischen Thymian und Pfefferminze, Hornveilchen und Tausendschön. Ob diese Schüler auch so begeistert vom Colastrauch – einer Eberraute – sein werden? Fortpflanzung, Bestäubung, Aufzucht – all das konnten die Schüler bei Heidi Molcz erleben. Auch wie kniffelig es sein kann, Borretschsamen in Erde zu drücken. Bei den Profis erledigt das die Maschine: Schwarztorf wird zu einer klebrigen Masse angerührt, dann in Würfel gestanzt. Dahinein rüttelt ein Automat das Saatgut. Auf 6000 Quadratmetern werden die Kräuter und Blumen aufgezogen. Gewöhnlich bietet die Gärtnerei keine Schulveranstaltungen an, aber über die Nachfrage von der EKS hatte sich das Team von Heidi Molcz gefreut. „Das ist mal was Anderes, normalerweise müsste ich jetzt die Ware für einen Großhandel in Mainz richten“, erklärt Thomas Brunnengräber. Er ist seit 1984 bei Molcz, hat hier das Gärtnern gelernt. Die überwiegende Ware aus der Gärtnersiedlung wird an den Blumengroßmarkt in Frankfurt geliefert, einiges geht zu zwei Großhandelsgeschäften in Mainz und Darmstadt. Aber auch wer privat an den Gewächshaustüren klopft, darf bei Molcz einkaufen.