Ausstellung in Bürstadt: Impulsgeber für alle Generationen

Eine Ausstellung im Jugendzentrum beschäftigt sich im Mai mit Aspekten der Jugendkultur. Weitere Projekte sind bis zum Jahresende geplant. (Von Vanessa Dörfler, BÜZ)

Das alles gibt es in der Jugendkultur: Fußball-Ultras, die Gewalt ablehnen, und solche, die prügelnden Hooligans nahestehen. Rapper, die rechtsradikale Texte verbreiten, ebenso Metalbands, die lauthals von einem harten Männlichkeitsbild grölen. Es gibt Hassreden im Internet, es gibt sexistische Punkbands. Und es gibt die ganz normalen Jugendlichen. Wie ambivalent Jugendkultur ist, wie wichtig jugendliche Gruppen zur sozialen Einbettung sind – das alles zeigt vom 4. bis zum 14. Mai eine Ausstellung im Bürstädter Jugendhaus, die gemeinsam von der Stadt Bürstadt und der Erich-Kästner-Schule (EKS) unterstützt wird. Offen ist die Schau für alle Generationen, der Eintritt wird frei sein. Die Wanderausstellung „Der z/weite Blick. Jugendkulturen und Diskriminierungen“ ist ein Projekt des Archivs der Jugendkulturen. Es wird unterstützt vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie der Bundeszentrale für politische Bildung – ein Impulsgeber soll es sein. Sven Dehoust, Geschichtslehrer an der EKS, war vor etwa einem Jahr auf die 22 Roll-Up-Tafeln mit informativen Texten aufmerksam geworden. Im Gespräch mit Oliver Haberer, dem Betreuer des Bürstädter Jugendhauses, stellte sich schnell heraus: Auch Haberer, Mediator und zudem Geschäftsführer der Sozialagentur Fortuna, wollte ähnlich wie Dehoust der Ausstellung einen größeren Rahmen bieten. „Die Ausstellung vermittelt Grundwerte, die unsere Gesellschaft ausmachen“, sagte Dehoust bei der Vorstellung des Projekts im Bürstädter Stadthaus. Statt im Schulgebäude werden die Tafeln nun in der Nibelungenstraße 199a, dem neuen Jugendhaus, gezeigt. Dort sind sie nach der Ausstellungseröffnung am 4. Mai (14 Uhr) zehn Tage lang dienstags und freitags von 9 bis 20 Uhr und donnerstags von 9 bis 21 Uhr zu sehen. „Wir müssen hinter die Oberflächlichkeit schauen, sonst sind wir ganz schnell in Mustern und im Mainstream drin“, sagte Barbara Schader. Dabei könne „Der z/weite Blick“ helfen. In kurzen Texten stellen Szene-Angehörige vor, was ihre Jugendkultur ausmacht. Und so zeigt sich: Das Spektrum ist breit gefächert, politische und soziale Haltungen sind so unterschiedlich, wie es die Menschen sind. Gedacht sei vor allem, dass die Ausstellung nicht nur junge Menschen ins Jugendhaus bringt, sondern alle Generationen.

Auftakt für komplette Kampagne Denn Vielstimmigkeit sei das Herz der Gesellschaft, so Schader. „Wir erleben an unserer Schule keine Unstimmigkeiten zwischen einzelnen Szenegruppen, dazu sind die ländlichen Strukturen zu stark“, erklärt Stephanie Dekker, Schulleiterin der EKS. Von ihrer Schule werden die Politik-Kurse der achten bis zehnten Klassen die Ausstellung besuchen und im Unterricht besprechen. „Diese Ausstellung soll der Auftakt zu einer Kampagne in Bürstadt sein, die sich mit Jugendkulturen und Diskriminierung beschäftigt und die Gesellschaft sensibilisieren will“, erklärt Haberer. Konkrete Projekte, die über das Jahr hinweg gemeinsam mit Vereinen, Kindertagesstätten, Schulen und Senioreneinrichtungen veranstaltet werden sollen, möchte er „spätestens zur Vernissage“ vorstellen.